Die Europäische Zentralbank – abgekürzt EZB – ist ein Organ der Europäischen Union. Obwohl die Schweiz nicht Mitglied der EU ist, hören und lesen wir doch nun fast täglich Neuigkeiten über die 1998 gegründete gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion. Die EZB bildet, zusammen mit den nationalen Zentralbanken der EU-Staaten, das Europäische System der Zentralbanken. Ihr Sitz ist im deutschen Frankfurt am Main.
In jüngster Zeit hat sich – trotz Herabstufung des Ratings vieler Euro-Staaten – die Sorge über den Zustand der europäischen Banken graduell reduziert, auch wenn die aktuell besorgniserregende Situation in Griechenland rasch wieder die z. Zt eher positiven Vorzeichen der Entwicklung zu ändern vermag.
Wie aber kommen wir dazu, von einer leichten Erholung zu sprechen?
In der Praxis der grossen Unternehmen lässt sich das an den nicht mehr weiter sinkenden, zum Teil sogar wieder steigenden Aktienkursen ablesen.
Aber auch an den Anleihen-Aufschlägen, im Wesentlichen der in Basispunkten gemessenen Differenz zwischen der Rendite von Staats- und Bankenanleihen.
Aber was hat nun die Europäische Zentralbank genau damit zu tun?
Die EZB hat im Dezember letzten Jahres den Banken sehr günstige dreijährige Finanzierungen gewährt. Damit hat sie im Wesentlichen zwei Dinge erreicht, nämlich zum Ersten eine Wieder-Eröffnung des Kapitalmarkts für Bankenanleihen,
und zum Zweiten eine Stimulation der Nachfrage von Staatsanleihen der Euro-Länder.
Und mit welchem Auftrag agiert eigentlich die EZB?
Eine Zentralbank ist ja keine gewöhnliche Bank, die Kredite vergibt oder Spargelder entgegennimmt. Die «Bank aller Banken» muss die Geldpolitik eines Landes führen, und verfolgt somit zwei wichtige Ziele:
Das erste Ziel – i.d.R. auch das Hauptziel – ist die Gewährung der Preisstabilität. Dabei gilt es, grosse Schwankungen des Geldwertes zu vermeiden. Gemessen wird dieses Ziel über die Höhe der Inflationsrate.
Das zweite Ziel einer Zentralbank – eigentlich ein Nebenziel – ist eine ausgeglichene konjunkturelle Entwicklung des jeweiligen Landes. Damit soll insbesondere eine Rezession vermieden oder gemildert werden. Diese konjunkturelle Entwicklung wird an der Auslastung der Kapazitäten einer Volkswirtschaft gemessen.
Die EZB verfolgt dieses Ziel, indem sie den Preis für verliehenes Geld erhöhen oder reduzieren kann, technisch gesprochen – sie passt den Leitzins an.
Die momentane Politik der EZB dürfte eher dem zweiten Ziel zuzuordnen sein.
Indem sie den Banken Geld günstig zur Verfügung stellt, versucht die EZB, die von der Kreditgewährung der Banken stark abhängige Wirtschaftsentwicklung nicht zu bremsen, das Bankensystem zu stabilisieren und somit gesamtwirtschaftlich positive Effekte zu erzeugen.
Schätzungen zufolge haben im Dezember 2011 45% der von der EZB zur Verfügung gestellten Mittel – das waren immerhin stattliche 190 Mrd. Euro – ihre Wege an Banken in Italien und Spanien gefunden. Diese haben damit, je nach Bank 50% bis 150% ihres Refinanzierungsbedarfs für 2012 bereits gedeckt, d.h. diese benötigen, etwas vereinfacht ausgedrückt, in diesem Jahr kein oder nur noch wenig frisches Geld.
Zum Schluss hier noch ein abschliessender Hinweis
Viele von Ihnen mögen sich gefragt haben: Was hat das Ganze jetzt mit uns bzw. der Schweiz zu tun?
Nun, eine ganze Menge. Denn die Krise hat und hatte dazu geführt, dass viel, je nach Standpunkt sogar zuviel Geld seinen Weg in die Schweiz gefunden hat, das bei uns zu rekordtiefen Zinsen geführt hat.
Dies kann in der täglichen Arbeit im Finanzbereich dazu führen, dass Kredite in jüngster Zeit sehr günstig zu haben sind, Ergebnisse durch tiefe Finanzierungskosten optisch aufgehellt werden. Diejenigen von Ihnen, die sich dadurch aber zu sehr haben verleiten lassen, die Bilanzen zu leveragen, sollten sich bewusst sein, dass sich dieses Zinsniveau auch wieder ändern kann.
Schulden können auch wieder teurer werden, der Leverage negativ wirken.
Nicht nur Privatpersonen, die momentan etwas zu grosse und vor allem zu teure Liegenschaften kaufen, haben daran zu denken und sollten daher umsichtig agieren.
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Prof. Dr. oec. publ. Marco Passardi Professor an der Zürcher Fachhochschule, Dozent und Projektleiter für Accounting, Controlling und Auditing / Lehrbeauftragter der Universität Zürich.
Prof. Marco Passardi hat nach dem Studium in Betriebswirtschaftslehre an der Universität Zürich, welches er 1999 mit dem Lizentiat abschloss, 2002 zum Thema «Kommunale Rechnungslegung und Finanzmanagement» promoviert.
Marco Passardi war von 1999 bis 2003 als Assistent und Oberassistent am Lehrstuhl von Prof. Dr. Conrad Meyer, Institut für Rechnungswesen und Controlling der Universität Zürich, tätig. Von September 2003 bis August 2006 war er an der Hochschule für Wirtschaft (Zürich) Mitglied der Erweiterten Schulleitung und Leiter des Centre of Accounting. Seit dem 1. September 2006 ist Marco Passardi Dozent, Berater und Projektleiter an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). 2008 wurde ihm eine Professur für Financial Accounting verliehen.
Marco Passardi ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich und Modulbereichsleiter für Management Accounting an der Akademie der Schweizer Treuhandkammer.
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